10.12.2015

Geschäftsverlauf im Geschäftsjahr 2014/15

(1. Oktober 2014 - 30. September 2015)
Highlights
  • Erfolgreiche Veräußerung der Natriumhypochloritanlage an das Wasserversorgungs- und Abwasser-entsorgungsunternehmen der Stadt Moskau
  • Stromerzeugung um 11,1 % gesteigert
    - Anstieg der erneuerbaren Energieproduktion durch Inbetriebnahme des 37-MW-Windparks Prottes-Ollersdorf           sowie verbessertes Wind- und Wasserdargebot
    - Verstärkter Einsatz der Gaskraftwerke zur Netzstabilisierung
    - Erstmalig ganzjähriger Betrieb des Kraftwerks Duisburg-Walsum
  • Positiver Ergebnisbeitrag durch Energiegeschäft in Südosteuropa
  • Steigerung des operativen Ergebnisses und des Konzernergebnisses
  • Gesunkene Nettoverschuldung durch starken operativen Cash Flow
  • Dividendenvorschlag an die 87. Hauptversammlung in Höhe von 0,42 Euro je Aktie
  • Senkung der Energiepreise für Haushaltskunden bei Strom und Erdgas im Rahmen der EnergieAllianz Austria um jeweils durchschnittlich 5 % per 1. Oktober 2015

Kennzahlen
  • Umsatz: +8,2 % auf 2.135,8 Mio. Euro
  • EBITDA: +399,2 Mio. Euro auf 583,2 Mio. Euro
  • EBIT: +609,6 Mio. Euro auf 268,2 Mio. Euro
  • Finanzergebnis: –28,4 Mio. Euro auf –60,3 Mio. Euro
  • Konzernergebnis: +447,1 Mio. Euro auf 148,1 Mio. Euro
  • Nettoverschuldung: 1.230,9 Mio. Euro (30.09.2014: 1.622,4 Mio. Euro)

Energiewirtschaftliches Umfeld
Die Durchschnittstemperaturen in Österreich zeigten im Berichtszeitraum kaum eine Veränderung gegenüber dem Vorjahr, das von einem überdurchschnittlich milden Winter geprägt gewesen war. In Südosteuropa wurden hingegen deutlich niedrigere Temperaturen verzeichnet. Die Preise für Primärenergieträger wie Rohöl, Erdgas und Steinkohle gingen auch im Geschäftsjahr 2014/15 weiter zurück. Die Terminpreise für Grundlaststrom sanken in der Berichtsperiode um 3,8 % auf 34,9 Euro pro MWh und jene für Spitzenlaststrom um 5,4 % auf 43,8 Euro pro MWh.

Anstieg beim EBITDA, EBIT sowie Konzernergebnis
Im Geschäftsjahr 2014/15 erhöhten sich die Umsatzerlöse um 8,2 % auf 2.135,8 Mio. Euro. Dieser Anstieg beruhte zum einen auf der höheren Stromerzeugung und zum anderen auf dem Ausbau der Erdgashandelsaktivitäten des Konzerns. Positive Impulse gingen auch von den Beteiligungen in Südosteuropa aus, insbesondere durch den Entfall der negativen Einmaleffekte des Vorjahres und das witterungsbedingt erhöhte Absatzvolumen. Die sonstigen betrieblichen Erträge nahmen im Berichtszeitraum aufgrund höherer Bestandsveränderungen im Netzbereich sowie des Verkaufs der Anteile an der Objektgesellschaft für das Projekt Natriumhypochloritanlage um 52,3 % auf 108,4 Mio. Euro zu.

Unter Berücksichtigung eines aufgrund des Vollbetriebs des Kraftwerks Duisburg-Walsum höheren Aufwands für Fremdstrombezug und Energieträger erwirtschaftete die EVN ein EBITDA von 583,2 Mio. Euro, das um 399,2 Mio. Euro über dem Vergleichswert des Vorjahres lag. Die planmäßigen Abschreibungen erhöhten sich um 1,7 % auf 260,3 Mio. Euro, insbesondere hervorgerufen durch die laufende Investitionstätigkeit im Netzbereich und den Ausbau der erneuerbaren Produktionskapazitäten. Unter Berücksichtigung der Effekte aus Werthaltigkeitsprüfungen ergab sich ein operatives Ergebnis (EBIT) von 268,2 Mio. Euro. Es übertraf den Vorjahreswert um 609,6 Mio. Euro.

Das Finanzergebnis belief sich auf –60,3 Mio. Euro und lag damit um 28,4 Mio. Euro unter dem Vergleichswert des Vorjahres. Diese Veränderung ergab sich zum einen aus der verringerten Dividende der Verbund AG für das Geschäftsjahr 2014 und zum anderen aus der Auflösung des Zinssicherungsgeschäfts für die Finanzierung der veräußerten Natriumhypochloritanlage in Moskau sowie den Kosten für die diesbezügliche Investitionsgarantie der Bundesrepublik Deutschland. Per Saldo ergab sich für das Geschäftsjahr 2014/15 ein Ergebnis vor Ertragsteuern von 207,9 Mio. Euro (Vorjahr: –373,3 Mio. Euro).

Das Konzernergebnis der EVN erhöhte sich im Geschäftsjahr 2014/15 auf 148,1 Mio. Euro (Vorjahr:
–299,0 Mio. Euro). Auf dieser Basis wird der Vorstand der 87. Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2014/15 eine stabile Dividendenausschüttung von 0,42 Euro je Aktie (Vorjahr: 0,42 Euro) vorschlagen. Daraus errechnet sich eine Dividendenrendite von 4,3 % (Vorjahr: 4,1 %) zum Aktienkurs der EVN AG von 9,854 Euro per 30. September 2015.

Gesunkene Nettoverschuldung durch starken operativen Cash Flow
Aufgrund des starken Cash Flow aus dem operativen Bereich konnte die Nettoverschuldung um 391,5 Mio. Euro auf 1.230,9 Mio. Euro reduziert werden. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich auf 39,8 % (Vorjahr: 38,5 %), und die Gearing Ratio nahm von 61,6 % auf 47,5 % ab.

Entwicklungen im Energie- und Umweltgeschäft

Energiegeschäft
Das bereits im Geschäftsjahr 2013/14 initiierte Investitionsprogramm, das Investitionen in Höhe von 1 Mrd. Euro innerhalb von vier Jahren in Niederösterreich vorsieht, wurde im Berichtsjahr erfolgreich fortgesetzt. Der Hauptschwerpunkt liegt dabei auf Netzinvestitionen, um das erhöhte Einspeisevolumen aus erneuerbarer Erzeugung transportieren und die Netzstabilität gewährleisten zu können. Ein weiterer Schwerpunkt der Investitionsstrategie ist der Ausbau der Erzeugung aus erneuerbaren Energiequellen. Durch die im Geschäftsjahr 2014/15 erfolgte Inbetriebnahme des Windparks Prottes-Ollersdorf verfügt die EVN über eine Kapazität von 250 MW zur Erzeugung von Windstrom. In den nächsten Jahren wird ein Ausbau der Windkraftkapazität auf 300 MW angestrebt. Zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit wird mittelfristig ein Erzeugungsmix aus thermischen und erneuerbaren Produktionskapazitäten benötigt. Aus diesem Grund wird zur Abstützung des Systemumbaus in Richtung der erneuerbaren Energie das Steinkohlekraftwerk Dürnrohr noch bis zum Ende der technischen Nutzungsdauer am Netz bleiben und Schwankungen in der erneuerbaren Stromproduktion ausgleichen. Die beiden Gaskraftwerke Theiß und Korneuburg standen wie schon in den vorangegangenen Jahren auch im Winter 2014/15 als Reservekapazität für den süddeutschen Raum zur Verfügung. Im Geschäftsjahr 2014/15 erfolgten mehr als 80 Abrufe der Kraftwerke der EVN zur Netzstabilisierung in Österreich und Deutschland. Zudem wurde ein Vertrag zur Bereitstellung von Reservekapazität im Ausmaß von 775 MW für den süddeutschen Raum für das Winterhalbjahr 2016/17 unterzeichnet. Damit werden die Kraftwerke durchgehend bis einschließlich des Winterhalbjahres 2017/18 bereitstehen.

Kostenvorteile bei der Energiebeschaffung hat die EVN Vertriebsgesellschaft durch eine neuerliche Preissenkung weitergegeben. So wurden per 1. Oktober 2015 die Energiepreise für Haushaltskunden für Strom und Erdgas im Rahmen der EnergieAllianz Austria um durchschnittlich 5 % gesenkt.

Umweltgeschäft
Im Bereich der Trinkwasserversorgung in Niederösterreich investiert die EVN laufend in die Verbesserung der Trinkwasserqualität und der Versorgungssicherheit der Kunden mit Trinkwasser. Ein entscheidender Fortschritt wurde im Geschäftsjahr 2014/15 mit der Inbetriebnahme von zwei Naturfilteranlagen erzielt, die eine Reduktion des Härtegrades des Wassers auf natürliche Weise erlauben.

Im internationalen Projektgeschäft arbeitete die EVN im Geschäftsjahr 2014/15 an der Umsetzung von acht Projekten in Tschechien, Polen, Montenegro, Rumänien und Zypern. Dabei handelt es sich primär um Projekte, bei denen die EVN als Generalunternehmer für die Planung und Errichtung der Anlagen verantwortlich ist und der Auftraggeber die Finanzierung selbst bereitstellt.

Ausblick
Unter der Annahme von durchschnittlichen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird das Konzernergebnis für das Geschäftsjahr 2015/16 weitgehend stabil erwartet. Die regulatorischen Rahmenbedingungen, die Entwicklungen in den eingeleiteten Verfahren im Zusammenhang mit den Forderungen aus den Tarifentscheidungen in Bulgarien und im Zusammenhang mit dem Kraftwerk Duisburg-Walsum sowie der Fortgang der Aktivitäten in Moskau könnten das Konzernergebnis jedoch wesentlich beeinflussen.
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