13.12.2016

Geschäftsverlauf im Geschäftsjahr 2015/16

(1. Oktober 2015 - 30. September 2016)
Highlights
  • Bedarf für Netzstabilisierung führt zu höherer Stromerzeugung
  • Inbetriebnahme des Windparks Paasdorf-Lanzendorf mit 19 Megawatt
  • Senkung des Energiepreise für Strom und Erdgas für Haushaltskunden im Rahmen der EnergieAllianz Austria um durchschnittlich 5 % ab 1. Oktober 2016
  • Aufträge für vier neue Kläranlagenprojekte erhalten
  • Anstieg des Konzernergebnisses um 5,6 % auf 156,4 Mio. Euro
  • Nettoverschuldung um 109,4 Mio. Euro gesenkt
  • Dividendenvorschlag an die 88. Hauptversammlung in Höhe von 0,42 Euro je Aktie

Kennzahlen
  • Umsatz: –4,2 % auf 2.046,6 Mio. Euro
  • EBITDA: +3,6 % auf 604,4 Mio. Euro
  • EBIT: –2,9 % auf 260,4 Mio. Euro
  • Konzernergebnis: +5,6 % auf 156,4 Mio. Euro
  • Nettoverschuldung: –8,9 % auf 1.121,5 Mio. Euro

Energiewirtschaftliches Umfeld
Die Durchschnittstemperaturen zeigten sich in den für die EVN relevanten Märkten im Berichtszeitraum überaus mild. Besonders die Wintermonate waren in allen drei Kernmärkten deutlich wärmer als üblich: In Österreich lag die Heizgradsumme wie schon im Vorjahr unter dem langjährigen Mittelwert. Bulgarien verzeichnete in der Berichtsperiode außergewöhnlich warme Temperaturen, die Heizgradsumme blieb hier um 23,2 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert; und auch in Mazedonien lag die Heizgradsumme aufgrund des milden Winters um 8,6 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau.

Die Preise für Primärenergieträger (Rohöl, Erdgas und Steinkohle) entwickelten sich im Vergleich zum Vorjahr weiter rückläufig. Auch der Rückgang der Termin- und Spotmarktpreise für Grund- bzw. Spitzenlaststrom setzte sich im Berichtszeitraum fort. Im Schnitt sanken die Terminpreise für Grundlaststrom im Berichtszeitraum dennoch um 12,8 % auf 30,4 Euro pro MWh, jene für Spitzenlaststrom um 13,0 % auf 38,2 Euro pro MWh. Die Spotmarktpreise für Grundlaststrom gingen um 13,2 % auf 27,8 Euro pro MWh zurück, jene für Spitzenlaststrom reduzierten sich um 14,2 % auf 34,2 Euro pro MWh.

EBITDA und Konzernergebnis über Vorjahresniveau;
EBIT enthält Wertminderungen von Erzeugungsanlagen

Die Umsatzerlöse der EVN verringerten sich im Geschäftsjahr 2015/16 um 89,3 Mio. Euro bzw. 4,2 % auf 2.046,6 Mio. Euro. Gesteigerte Erlöse aus der thermischen Erzeugung, zurückzuführen auf den häufigeren Einsatz der Wärmekraftwerke zur Netzstabilisierung, sowie aus dem niederösterreichischen Netzgeschäft konnten dabei geringere Erlöse aus den reduzierten Erdgashandelsaktivitäten sowie einen – insbesondere durch die fortschreitende Liberalisierung und den milden Winter beeinflussten – Umsatzrückgang in Südosteuropa nicht ausgleichen.

Unter Berücksichtigung geringerer operativer Aufwendungen, vor allem bedingt durch einen Rückgang des Aufwands für Fremdstrombezug und Energieträger sowie weitere Steigerungen der Inkassoquote in Südosteuropa und eine gleichzeitige Kostenreduktion in der gesamten EVN Gruppe, erhöhte sich das EBITDA um 21,2 Mio. Euro bzw. 3,6 % auf 604,4 Mio. Euro.

Die planmäßigen Abschreibungen erhöhten sich bedingt durch die anhaltende Investitionstätigkeit des Konzerns um 5,9 Mio. Euro bzw. 2,3 % auf 266,1 Mio. Euro. Einen Anstieg um 23,1 Mio. Euro bzw. 42,3 % auf 77,9 Mio. Euro verzeichneten auch die Effekte aus Werthaltigkeitsprüfungen. Diese betrafen Anlagen zur Energieerzeugung und beruhten auf der niedrigeren Einschätzung der langfristigen Strompreisentwicklung. Per Saldo resultierten diese Entwicklungen in einem EBIT von 260,4 Mio. Euro, das damit um 7,8 Mio. Euro bzw. 2,9 % unter dem Vorjahreswert lag. Das Finanzergebnis betrug –61,6 Mio. Euro und fiel damit um 1,3 Mio. Euro bzw. 2,1 % geringer aus als im Vorjahr.

In Summe erhöhte sich das Konzernergebnis um 8,4 Mio. Euro bzw. 5,6 % auf 156,4 Mio. Euro.

Solide Bilanzstruktur; gesunkene Nettoverschuldung
Die positiven operativen Ergebnisse der EVN sind die Grundlage für eine solide Bilanzstruktur. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich zum 30. September 2016 auf 42,3 % (30. September 2015: 39,8 %). Die Nettoverschuldung reduzierte sich gegenüber dem 30. September 2015 um 109,4 Mio. Euro bzw. 8,9 % auf 1.121,5 Mio. Euro. Daraus resultierend sank das Gearing auf 40,5  % (30. September 2015: 47,5  %).

Entwicklungen im Energie- und Umweltgeschäft
Energiegeschäft
Die Stromerzeugung der EVN erhöhte sich im Geschäftsjahr 2015/16 um 20,1 % auf 5.866 GWh. Trotz eines Anstiegs der erneuerbaren Stromproduktionskapazitäten führten insbesondere ein geringeres Winddargebot, geringfügig aber auch ein niedrigeres Wasserdargebot, zu einem Rückgang der Erzeugung aus erneuerbarer Energie gegenüber dem Vergleichswert des Vorjahres. Im Gegensatz dazu stieg die Stromerzeugung aus Wärmekraftwerken um 38,3 % auf 3.840 GWh an. Zurückzuführen ist dies auf den deutlich stärkeren Einsatz der Kraftwerke der EVN zur Netzstabilisierung in Österreich und Deutschland. Wie schon in den vergangenen vier Jahren standen die Kraftwerke Theiß und Korneuburg auch im Winter 2015/16 als Reservekapazität für den süddeutschen Raum zur Verfügung; darüber hinaus auch im Sommer 2016 für Österreich.

Das im Geschäftsjahr 2013/14 gestartete vierjährige Investitionsprogramm der EVN, das Investitionen von 1 Mrd. Euro in Niederösterreich vorsieht, wurde im Berichtszeitraum plangemäß im nunmehr dritten Jahr fortgesetzt. Rund 70 % des gesamten Investitionsvolumens entfallen auf das Segment Netzinfrastruktur Inland und dienen angesichts der laufend steigenden, volatilen Strommengen aus dezentraler erneuerbarer Erzeugung insbesondere der Erweiterung bzw. dem Neubau von Anlagen im Netzbereich. Im Bereich der erneuerbaren Stromerzeugung wurde im Juli 2016 der Windpark Paasdorf-Lanzendorf mit einer Kapazität von rund 19 MW eröffnet. Damit betreibt die EVN nun insgesamt 16 Windparks mit einer Gesamterzeugungskapazität von rund 268 MW und kommt damit ihrem Mittelfristziel von über 300 MW deutlich näher.

Die EVN Vertriebsgesellschaft gab ihren Haushaltskunden im Geschäftsjahr 2015/16 im Rahmen der EnergieAllianz erneut Einkaufsvorteile aus Preisentwicklungen weiter: Nach einer fünfprozentigen Senkung der Energiepreise für Strom und Erdgas im Oktober 2015 wurden per 1. Mai 2016 die Erdgas-Arbeitspreise für Haushalte im Schnitt um weitere 7 % gesenkt. Zudem erfolgte zum 1. Oktober 2016 eine neuerliche Senkung der Strom- und Erdgas-Arbeitspreise für Haushalte um durchschnittlich 5 %.

Am 23. November 2016 hat ein Schiedsgericht der Projektgesellschaft zur Errichtung des Kraftwerks Walsum 10, an der die EVN AG mittelbar zu 49 % beteiligt ist, Ansprüche in der Höhe von rund 200 Mio. Euro zuerkannt. Das Ergebnis des Schiedsspruchs wird im überwiegenden Ausmaß zu einer Reduktion der Anschaffungskosten für das Kraftwerk führen und somit aus heutiger Sicht keine wesentliche Auswirkung auf das Konzernergebnis der EVN AG im Geschäftsjahr 2016/17 haben.

Umweltgeschäft
Der Schwerpunkt der Investitionen im Umweltgeschäft lag auf der weiteren Verbesserung der Trinkwasserversorgung in Niederösterreich. In Zwentendorf an der Zaya etwa ging die bereits dritte Naturfilteranlage in Niederösterreich in Betrieb. Damit werden nun rund 50.000 Einwohner im nordöstlichen Weinviertel mit auf natürliche Weise enthärtetem Wasser versorgt. Im Waldviertel wiederum wurde die Leistungsfähigkeit der Pumpwerke für das Trinkwasserleitungsnetz um rund 25 % erhöht, um Verbrauchsspitzen in trockenen Monaten besser abdecken und damit die Versorgungssicherheit weiter verbessern zu können.

Im internationalen Projektgeschäft schloss die EVN im Lauf des Geschäftsjahres 2015/16 jeweils zwei Abwasserprojekte in Polen und Rumänien sowie ein Kläranlagenprojekt in Montenegro mit der Übergabe der Anlagen an die Auftraggeber erfolgreich ab. Im Laufe des Geschäftsjahres 2015/16 erhielt die EVN den Zuschlag zum Bau von vier Kläranlagen; drei davon in Mazedonien und eine in Kroatien. Zum Stichtag 30. September 2016 arbeitete die EVN an der Umsetzung von insgesamt sechs Projekten in Kroatien, Mazedonien, Montenegro und Tschechien.

Ausblick
Unter der Annahme von durchschnittlichen energiewirtschaftlichen Rahmenbedingungen wird das Konzernergebnis für das Geschäftsjahr 2016/17 weitgehend stabil erwartet. Effekte aus den Verfahren im Zusammenhang mit dem Kraftwerk Duisburg-Walsum sind davon getrennt zu betrachten. Weitere Einflüsse auf das Ergebnis können sich aus regulatorischen Rahmenbedingungen, den eingeleiteten Verfahren in Bulgarien sowie aus dem Fortgang der Aktivitäten in Moskau ergeben.
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