24.05.2017

Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2016/17

(1. Oktober 2016 – 31. März 2017)
Highlights
  • Positive Geschäftsentwicklung:
- Steigerung der Stromproduktion um 22,5 %
- Temperaturbedingt höhere Netzabsatzmengen
  • Weiterer Ausbau der Winderzeugungskapazitäten von derzeit 269 MW auf über 300 MW mit den Windparks Oberwaltersdorf (10 MW) und Sommerein (33 MW); geplante Inbetriebnahmen im nächsten Geschäftsjahr
  • Weiterhin hohes Investitionsniveau; Schwerpunkte: Netze, erneuerbare Erzeugung und Trinkwasser in Nieder-österreich
  • Schiedsspruch zum Kraftwerksprojekt Walsum 10 zugunsten der Projektgesellschaft im November 2016
  • Einigung mit der staatlichen bulgarischen Elektrizitätsgesellschaft NEK im Februar 2017
  • Rating-Verbesserungen im April 2017:
- Moody’s: von A3 auf A2 (Ausblick stabil)
- Standard & Poor’s: von BBB+ auf A– (Ausblick stabil)

Kennzahlen
  • Umsatz: +9,4 % auf 1.309,8 Mio. Euro
  • EBITDA: +13,9 % auf 481,1 Mio. Euro
  • EBIT: +10,0 % auf 319,6 Mio. Euro
  • Konzernergebnis: +23,1 % auf 233,8 Mio. Euro
  • Nettoverschuldung: –21,3 % auf 904,1 Mio. Euro

Energiewirtschaftliches Umfeld
Im ersten Halbjahr 2016/17 wurden in den für die EVN relevanten Märkten merklich kühlere Temperaturen verzeichnet. In Österreich lag die Heizgradsumme sogar deutlich über dem Mehrjahresdurchschnitt. Die Entwicklung der Termin- und Spotmarktpreise für Grund- bzw. Spitzenlaststrom war im Berichtszeitraum gegenläufig: Während die Terminpreise für Grundlaststrom und jene für Spitzenlaststrom sanken, verzeichneten die Spotmarktpreise aufgrund des temporären Stillstands von Produktionskapazitäten in Frankreich und der kalten Witterung einen Anstieg. Die Preise für Primärenergieträger stiegen im Vergleich zur Vorjahresperiode durchwegs an. Hingegen setzte sich die rückläufige Entwicklung der Preise für CO2-Emissionszertifikate auch im ersten Halbjahr 2016/17 fort.

EBITDA, EBIT und Konzernergebnis über Vorjahresniveau
Die Umsatzerlöse der EVN stiegen im ersten Halbjahr 2016/17 um 113,0 Mio. Euro bzw. 9,4 % auf 1.309,8 Mio. Euro. Maßgeblich für diese Entwicklung waren der Anstieg der Abrufe der thermischen Kraftwerke zur Netzstabilisierung in Österreich und im süddeutschen Raum, temperaturbedingt höhere Strom- und Gasnetzabsätze in Niederösterreich sowie eine ebenfalls temperaturbedingte Umsatzsteigerung in Südosteuropa. Weitere positive Impulse gingen von der erneuerbaren Erzeugung aber auch vom internationalen Projektgeschäft im Umweltbereich aus.

Der Aufwand für Fremdstrombezug und Energieträger verzeichnete im Berichtszeitraum einen Anstieg um 16,0 Mio. Euro bzw. 2,8 % auf 597,2 Mio. Euro. Während hier die witterungsbedingt höhere Energienachfrage und der gesteigerte Einsatz der thermischen Kraftwerke zur Netzstabilisierung für eine Zunahme sorgten, wirkte der in Bulgarien erzielte Vergleich aufwandsmindernd. Auch die Fremdleistungen und der sonstige Materialaufwand erhöhten sich um 56,5 Mio. Euro bzw. 50,7 % auf 167,9 Mio. Euro. Haupttreiber dafür waren eine Wertberichtigung der verbliebenen, in den Vorräten abgebildeten Anlagenkomponenten aus dem ehemaligen Projekt Müllverbrennungsanlage Nr. 1 in Moskau sowie die positive Umsatzentwicklung im internationalen Projektgeschäft. Positiv auf das EBITDA wirkte hingegen der gestiegene Ergebnisanteil der at Equity einbezogenen Unternehmen mit operativem Charakter. Per Saldo erhöhte sich das EBITDA um 58,8 Mio. Euro bzw. 13,9 % auf 481,1 Mio. Euro.

So gut wie unverändert waren die planmäßigen Abschreibungen. Die Effekte aus Werthaltigkeitsprüfungen beliefen sich im Berichtszeitraum auf 30,1 Mio. Euro und betrafen im Wesentlichen eine bereits im ersten Quartal 2016/17 vorgenommene Wertminderung auf das bulgarische Wasserkraftwerksprojekt Gorna Arda. In Summe stieg das EBIT damit im Berichtszeitraum um 29,0 Mio. Euro bzw. 10,0 % auf 319,6 Mio. Euro.

Das Finanzergebnis verbesserte sich durch positive Einmaleffekte im laufenden Jahr bzw. durch den Entfall des im Vorjahr verzeichneten negativen Ergebnisbeitrags der WEEV Beteiligungs GmbH im Periodenvergleich um 14,2 Mio. Euro bzw. 35,9 % auf –25,4 Mio. Euro. Per Saldo erhöhte sich das Konzernergebnis im ersten Halb-jahr 2016/17 um 43,9 Mio. Euro bzw. 23,1 % auf 233,8 Mio. Euro.

Solide Bilanzstruktur; gesunkene Nettoverschuldung
Die positiven operativen Ergebnisse der EVN sind die Grundlage für eine solide Bilanzstruktur. Die Eigenkapitalquote erhöhte sich zum 31. März 2017 auf 45,6 % (30. September 2016: 42,3 %). Die Nettoverschuldung reduzierte sich gegenüber dem 30. September 2016 um 217,3 Mio. Euro auf 904,1 Mio. Euro. Daraus resultierend sank das Gearing auf 30,3 % (30. September 2016: 40,5 %).

Im April 2017 erhöhte die Ratingagentur Moody’s die Bonitätseinstufung für die EVN von A3 auf A2 (Ausblick stabil), ebenso verbesserte Standard & Poor’s das Rating von BBB+ auf A– (Ausblick stabil).

Entwicklungen im Energie- und Umweltgeschäft
Energiegeschäft
Die Stromerzeugung der EVN erhöhte sich im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2016/17 um 22,5 % auf 4.119 GWh. Dabei wurde die Erzeugung in den Wärmekraftwerken der EVN, die auch im Winter 2016/17 wieder zur Netzstabilisierung in Österreich und Deutschland dienten, gesteigert. Dank eines höheren Wind- und Wasserdargebots sowie der Inbetriebnahme des Windparks Paasdorf-Lanzendorf im Juli 2016 stieg auch die Erzeugung aus erneuerbarer Energie gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 65 GWh bzw. 6,7 % auf 1.031 GWh. Gleichzeitig treibt die EVN den weiteren Ausbau der Winderzeugungskapazitäten voran. Für das nächste Geschäftsjahr sind die Inbetriebnahmen der Windparkprojekte in Oberwaltersdorf (10 MW) und Sommerein (33 MW) geplant; damit wird die Winderzeugungskapazität der EVN von derzeit 269 MW auf über 300 MW ansteigen.

Das im Geschäftsjahr 2013/14 gestartete Investitionsprogramm der EVN, das Investitionen von 1 Mrd. Euro in Nieder-österreich vorsieht, fokussiert auf die weitere Stärkung der stabilen und regulierten Aktivitäten. Rund 70 % davon fließen in den Neubau bzw. die Erweiterung der Netzinfrastruktur in Niederösterreich. Hauptziel dieser Maßnahmen ist es, den Transport der steigenden Strommengen aus erneuerbarer Produktion sicherzustellen. Dadurch trägt die EVN maßgeblich zur kontinuierlichen Verbesserung der Netzinfrastruktur und damit zur Erhaltung des hohen Niveaus der Versorgungssicherheit in Niederösterreich bei.

Umwelt- und Wassergeschäft
Im Wassergeschäft setzt die EVN ihren Investitionsschwerpunkt im Bereich der Trinkwasserversorgung in Niederösterreich fort und investiert weiter in den Ausbau überregionaler Leitungsnetze, in Leistungssteigerungen der Pumpwerke und in die Sanierung von Ortswassernetzen. Neben diesen Maßnahmen zur weiteren Sicherung einer verlässlichen Versorgung, insbesondere angesichts des steigenden Wasserverbrauchs, misst die EVN der Qualitätssteigerung einen hohen Stellenwert bei. In diesem Zusammenhang laufen bereits die Vorbereitungen für den Bau einer Naturfilteranlage auf dem Brunnenfeld Wienerherberg zur natürlichen Reduktion der Wasserhärte.

Im internationalen Projektgeschäft erwarb die Stadt Moskau per Ende Dezember 2016 mit Zahlung der letzten Rate planmäßig die lokale Objektgesellschaft für die Trinkwasserversorgungsanlage Süd-West Moskau, die die EVN errichtet und zehn Jahre lang betrieben hatte. Im Jänner 2017 erhielt die EVN den Zuschlag für den Bau einer neuen Kläranlage in Kočani in Mazedonien. Das Generalunternehmerprojekt mit einem Auftragswert von rund 15,0 Mio. Euro ist auf eine Kapazität für rund 65.000 Einwohner ausgelegt. Die Finanzierung erfolgt aus Fördermitteln der Schweiz, die dem Auftraggeber zur Verbesserung der Umweltsituation in Kočani gewährt werden. In Summe war die EVN zum Stichtag 31. März 2017 mit der Umsetzung von sieben Abwasserprojekten in Kroatien, Mazedonien, Montenegro und Tschechien befasst. Am 16. März 2017 konnte die EVN mitteilen, dass ein von ihrer deutschen Tochtergesellschaft WTE Wassertechnik mit einem kuwaitischen Finanzinvestor gebildetes Bieterkonsortium das beste Angebot für ein Abwasseraufbereitungsprojekt in Kuwait, bestehend aus der Planung und dem Bau einer Kläranlage sowie eines Kanalnetzes inklusive Pumpstationen, gelegt hat. Die endgültige Auftragsvergabe durch die ausschreibenden Stellen steht noch aus.

Ausblick
Für das Konzernergebnis wird ein Anstieg gegenüber Vorjahr in der Größenordnung des Einmaleffekts aus der Einigung in Bulgarien erwartet. In diesem Zusammenhang waren Zuschreibungen von in der Vergangenheit wertberichtigten Forderungen und Verzugszinsen in Höhe von rund 38 Mio. Euro nach Steuern zu berücksichtigen. Für den Ausblick werden durchschnittliche energiewirtschaftliche Rahmenbedingungen unterstellt. Weitere Einflüsse auf das Ergebnis können sich aus regulatorischen Rahmenbedingungen, den eingeleiteten Verfahren in Bulgarien, den verbleibenden Verfahren im Zusammenhang mit dem Kraftwerksprojekt Walsum 10 sowie aus dem Fortgang der Aktivitäten in Moskau ergeben.
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