16.05.2006

EVN plant neue Energie- und Infrastrukturprojekte im niederösterreichischen Zentralraum

Rund 180 Millionen Euro für Alternativenergie, verstärkte Fernwärmenutzung und Erweiterung der Abfallverwertungsanlage
Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und EVN Vorstandssprecher Dr. Burkhard Hofer haben heute fünf neue Energie- und Infrastrukturprojekte für den niederösterreichischen Zentralraum vorgestellt. Im Mittelpunkt steht dabei die verstärkte Nutzung erneuerbaren Rohstoffe zur Energieerzeugung, der massive Ausbau der Fernwärmeversorgung und die Erweiterung der bestehenden thermischen Abfallverwertungsanlage in Dürnrohr/Zwentendorf.

Errichtung einer Biomasse-Pyrolyseanlage

Kernstück des aus fünf Einzelprojekten bestehenden Vorhabens ist die Errichtung einer Biomasse-Pyrolyseanlage, in der aus biogenen Rohstoffen hochwertiges Biogas hergestellt wird. In dieser Anlage können Stroh, Holz, Energiepflanzen und Energiekorn eingesetzt werden; rund 190.000 Tonnen Biomasse sollen pro Jahr verwertet werden. Das erzeugte Biogas wird in das benachbarte Wärmekraftwerk Dürnrohr eingespeist und dient dort zur Ökostromerzeugung. Mit der Errichtung einer Pilotanlage wird noch in diesem Jahr begonnen, im Endausbau soll die Anlage über eine thermische Leistung von 120 Megawatt verfügen. Aus dem dort gewonnen Biogas kann am Mitte 2009 im Kraftwerk Dürnrohr Strom für rund 100.000 Haushalte erzeugt werden. Die Investition beträgt insgesamt 58 Mio Euro.

Umweltfreundliche Anlieferung auf dem Wasserweg

Um für eine größtmögliche Akzeptanz in der Region zu sorgen, soll ein großer Teil der für die Projekte erforderlichen Biomasse auf dem umweltfreundlichen Wasserweg angeliefert werden, aber auch ein Teil der Kohle für Dürnrohr. Deshalb plant die EVN die Errichtung eines Rohrgutförderers von der Donaulände Dürnrohr bis ins Kraftwerk, der zur Reduktion des LKW-Verkehrs beitragen soll.

Erweiterung der Fernwärmeversorgung für den Großraum St. Pölten

Ein weiteres Vorhaben im Gesamtkonzept ist die Erweiterung der Fernwärmeversorgung für den Großraum St. Pölten aus dem Kraftwerk Dürnrohr. Über eine 29 km lange Fernwärmeleitung von Dürnrohr bis St. Pölten können bis zu 200 Gigawattstunden Fernwärme pro Jahr zur Verfügung gestellt werden. Bis zu 20.000 Kunden könnten so mit umweltfreundlicher Fernwärme versorgt werden.

Prozessdampf aus dem Kraftwerk Dürnrohr für Bioethanolanlage der Agrana in Pischelsdorf

Bereits fix ist die Versorgung der Bioethanolanlage der Agrana in Pischelsdorf mit Prozessdampf aus dem Kraftwerk Dürnrohr. Der Dampfbedarf der Agrana beträgt rund 350 GWh pro Jahr und entspricht dem Wärmebedarf von rund 30.000 Haushalten. Die Bioethanolanlage wird im Herbst 2007 ihren Betrieb aufnehmen.

Erweiterung der thermischen Abfallverwertungsanlage in Dürnrohr/Zwentendorf

Derzeit verfügt die Müllverbrennungsanlage der AVN in Dürnrohr über eine Kapazität von 300.000 Tonnen pro Jahr. Durch eine letztes Jahr in Kraft getretene Verschärfung der deutschen Abfallgesetzgebung darf praktisch kein österreichischer Müll mehr in deutschen Deponien abgelagert werden. Es besteht daher ein großer Bedarf in Österreich nach zusätzlichen Verbrennungskapazitäten. Die AVN plant deshalb die Erweiterung der bestehenden hochmodernen Anlage um eine dritte Linie. Es soll eine zusätzliche Verbrennungsleistung von 90 Megawatt geschaffen werden. Der bei der Abfallverbrennung entstehende Dampf aus der Müllverbrennung wird im Kraftwerk Dürnrohr zur Strom- und Wärmeerzeugung eingesetzt und ersetzt dort große Mengen von Kohle und Gas. Diese Umweltinvestition beträgt rund 100 Mio Euro. Noch im Mai 2006 wird die Einreichung bei der Behörde erfolgen, der Betrieb soll noch im Winter 2008 aufgenommen werden.
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