08.09.2000

Information zur Neustrukturierung der österreichischen Energiewirtschaft

·Keine Zustimmung zur Energie Austria ·Vorschlag für "Energie Austria Neu" - Integration nach Wertschöpfungsstufen
1.  Warum scheitert das Projekt der Energie Austria?

Die drei Unternehmen EVN, Wiener Stadtwerke und TIWAG, die zusammen über 27 % des Grundkapitals der Verbund-gesellschaft (VG) und damit über eine qualifizierte Minderheitsposition verfügen, haben heute in der a.o. HV der VG der Bildung der Energie Austria (EA) in der vorgelegten Form die Zustimmung nicht erteilt, da der Wert ihrer Beteiligung nach-haltig durch

  •  Verwässerung ihrer Aktionärsrechte durch die beabsichtigte Zwischenholdingstruktur
  • Unterbewertung der VG im Vergleich zu STEWEAG und EAG Oberösterreich
  • Beeinträchtigung der Führungsrechte der VG bei Energie Austria durch Einräumung von weitreichenden Mitbestimmungsrechten für STEWEAG und EAG Oberösterreich 
  • den indirekten Einfluß der EdF als strategischer Partner der ESTAG

beeinträchtigt würde. Andererseits ist die Energie Austria in dieser Form auch für eine allfällige Erweiterung um die Partner der EnergieAllianz (EVN, WStW und ESG) sowie Dritte nicht geeignet und damit inakzeptabel. Darüber hinaus liegen auch die für die beabsichtigte rückwirkende fusionsähnliche Zusammenführung per 1. Jänner 2000 die erforderlichen Be-schlüsse (ESTAG: Landesregierungs- bzw. Landtagsbeschluß, Hauptversammlungsbeschluß; Energie AG: Bedingung des Anteilsverkaufs vor Fusion) nicht vor.

2. Zielstruktur "für eine größere österreichische Lösung – Energie Austria Neu"


Indes wurde von der EnergieAllianz unter Beiziehung des Unternehmensberaters Roland Berger & Partner ein Konzept mit der Zielstruktur einer "Energie Austria Neu" erarbeitet. Der Vorschlag wurde in der Folge mit der VG eingehend diskutiert bzw. der Öffentlichkeit vorgestellt. Zwei Kriterien standen dabei im Mittelpunkt der Strukturüberlegung:

  • Im volliberalisierten Energiemarkt wird das Angebot von "Strom, Gas u. Wärme bzw. Dienstleistungen aus einer Hand"    zum  entscheidenden Erfolgsfaktor – dabei können zentral entwickelte Produkte durch regionale Marken vertrieben werden. 
  • Eine flexible Struktur erhöht die Erfolgsaussichten des Beitritts einer möglichst großen Zahl von Energieunternehmen und   damit einer möglichst breiten österreichischen Lösung. Dies wird – insbesondere im Hinblick auf die Unterschiedlichkeit   der Partner – durch eine Integration nach Wertschöpfungsstufen ermöglicht.

Die Zielstruktur sieht vor, daß durch Teilfusionen auf den einzelnen Wertschöpfungsstufen Vertrieb, Erzeugung und Handel drei vollfunktionsfähige Unternehmen geschaffen würden. Diese Unternehmen müßten sich unabhängig am Markt behaupten. Eine Quersubventionierung zwischen den Gesellschaften ist nicht möglich.

Die wesentlichsten Vorteile dieses Modells der "Energie Austria Neu" gegenüber der Energie Austria (EA) lassen sich wie folgt darstellen:

  • Stärkerer Fokus auf Vertrieb
  • Multi-Utility-Ansatz mit mehreren Energieträgern und integrierten Dienstleistungen
  • Mehrheitsverhältnisse schaffen klare Führungsstruktur
  • Höhere Flexibilität bezüglich strategischer Partnerschaften, bessere strategische Weiterentwicklungsmöglichkeiten
  • Offenheit gegenüber weiteren operativen Partnern, Flexibilität bei Aufnahmen
  • Geringere Reibungsverluste bei der Umsetzung und Synergiehebung, daher raschere und effizientere Realisierbarkeit
  • Übereinstimmung mit EU-Regelungen (Unbundling)

Synergiepotentiale der beiden Modelle

Der Verbundvorstand beziffert das Synergiepotential der EA mit rund ATS 3,8 Mrd. Laut Roland Berger würde sich das Synergiepotential der Energie Austria Neu unter Einbeziehung der sechs Gesellschaften (VG, WSTW, EVN, ESG, EAG und ESTAG) auf rund ATS 5,8 Mrd. belaufen.

Auswirkungen auf die Verbundgesellschaft

Durch die Realisierung dieses Modells würde die VG Teil einer Unternehmensgruppe, die ein gegenüber dem Projekt Energie Austria alt ausbalancierteres Verhältnis zwischen Produktionskapazitäten und Endkundenabsatz haben würde. Dies würde für die VG eine nachhaltige Existenzsicherung darstellen. Darüber hinaus würde die Wettbewerbsfähigkeit durch Einbringung der Geschäftsfelder (Produktion, Handel und Vertrieb) gestärkt. Dies müsste im Hinblick auf das Risiko der VG als primäre Produktionsgesellschaft in einem liberalisierten Strommarkt für die Aktionäre von großem Interesse sein. Die VG würde klar die gemeinsame Erzeugungsgesellschaft dominieren.

3. Perspektive EnergieAllianz

Die EnergieAllianz konnte sich in der ersten Phase der Strommarktöffnung mit der Vertriebsgesellschaft e&s am Markt erfolgreich positionieren. Derzeit wird intensivst am gemeinsamen Marktauftritt im Vorfeld der gänzlichen Strommarktöffnung im Oktober 2001 gearbeitet. Diese Arbeiten erfolgen unabhängig von den Gesprächen mit der VG und dritten Partnern. Auch die beiden anderen gemeinsamen Gesellschaften, die Handelsgesellschaft e&t sowie die EDV-Dienstleistungs-gesellschaft e&i erfüllen die ihnen übertragenen Aufgaben sehr erfolgreich.

Auf Basis dieser Erfahrungen sowie dem zu erwartenden harten Verdrängungswettbewerb - vor allem durch ausländische Strom- und Gasanbieter - stehen die Allianzpartner (EVN, WStW und ESG) vor der Herausforderung, durch eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit die erfolgreiche Weiterentwicklung sicherzustellen. Dies soll durch die Zusammenführung der Wertschöpfungsstufen Vertrieb, Handel und Produktion gewährleistet werden. Die damit zusammenhängenden Vor-bereitungsarbeiten werden derzeit vorgenommen. Die neue Struktur soll rechtzeitig vor der Strommarktöffnung am
1. Oktober 2001 realisiert sein.

Die Partner der EnergieAllianz zählen bereits jetzt jeweils mehr als die Hälfte der österreichischen Strom- und Gas-konsumenten zu ihren Kunden und sind damit eindeutig österreichischer Marktführer. Der Beitritt weiterer Partner, nämlich der burgenländischen Gesellschaften BEWAG (Strom) und BEGAS (GAS), wird in den nächsten Wochen erfolgen. Die EnergieAllianz ist für weitere Partner offen.
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