16.09.2015

Windenergie boomt weltweit

Windkraft liegt weltweit stark im Trend. Im ersten Halbjahr 2015 wurden signifikant mehr Anlagen neu zugebaut als in den Jahren zuvor. Der Schwerpunkt hat sich allerdings von Europa weg in andere Regionen verlagert.

Ausbau vor allem in China, Amerika und Indien

Im ersten Halbjahr 2015 wurden weltweit Windräder mit einer Gesamtleistung von 21.678 MW neu errichtet. Dieser Zuwachs ist signifikant höher als die Jahre davor: 2014 wurden insgesamt 17.600 MW neu ausgebaut, 2013 waren es noch 13.900 MW. Die internationale Windkraftleistung liegt damit aktuell bei insgesamt 392.927 MW.
Der Weltmarkt für Windenergie wächst also rasant wie nie zuvor. Stefan Gsänger, Generalsekretär des weltweiten Windenergieverbandes (WWEA), erwartet für das Jahr 2015 einen Rekordausbau. „Mithilfe der heute verfügbaren Windkraftanlagen können bereits 4 % des weltweiten Stromverbrauchs aus Windkraft gedeckt werden“, freut sich auch Stefan Moidl, Geschäftsführer der IG Windkraft Österreich.

Der Schwerpunkt des Ausbaus hat sich zuletzt allerdings deutlich verlagert. China führt den Ausbau der Windenergie an. Mehr als 10.000 MW wurden im Land der Mitte heuer schon errichtet. Und auch in den USA und in Indien geht der Windkraftausbau gut voran. Brasilien weist im ersten Halbjahr sogar eine Wachstumsrate von 14 % auf.

„Der Grund für diese positive Entwicklung liegt in wirtschaftlichen Vorteilen und der stetig steigenden Wettbewerbsfähigkeit der Windenergie. Außerdem steigt weltweit der Druck, den Klimawandel zu mildern und die Luftverschmutzung einzudämmen“, erklärt Gsänger. Nicht zuletzt wirkt sich auch die Unsicherheit rund um die internationalen Öl- und Gasversorgung positiv auf die Windkraftentwicklung aus: Unter anderem prognostiziert die U.S. Energy Information Administration (EIA) für September 2015 zum ersten Mal einen Rückgang der Schiefergasproduktion in den sieben größten Schiefergas-Regionen der USA.



Europa hinkt hinterher

Mit dem internationalen Ausbauboom kann in Europa nur mehr Deutschland mithalten. Hier sind durch geänderte Rahmenbedingungen die Windmärkte abgeflaut: Viele Länder in Europa haben bereits in die Fördersysteme eingegriffen; der Ausbau ist dadurch sehr stark zurückgegangen. Deutschland ist derzeit noch Europas größter Windmarkt. Allerdings stehen auch dort Änderungen des Förderregimes und damit voraussichtlich eine signifikante Abkühlung in den nächsten ein bis zwei Jahren bevor.

In Österreich wurden von Jänner bis Juni 2015 46 Windkraftanlagen mit einer Leistung von 140 MW errichtet. Bis Ende des Jahres wird eine weitere Steigerung auf rund 250 MW Neuinstallationen erwartet. Insgesamt wird Österreich damit einen Gesamtbestand von rund 2.350 MW Windkraftleistung erreichen.

Stefan Moidl sieht dringenden Handlungsbedarf: „Wenn Europa seine führende Stellung im Bereich der erneuerbaren Energien nicht verlieren will, müssen jetzt verstärkt engagierte Schritte in Richtung Energiewende gemacht werden. Sonst werden die Entwicklungen und wirtschaftlichen Gewinne der erneuerbaren Energien morgen nur noch in anderen Kontinenten gemacht.“ Die kommende Klimakonferenz in Paris könnte dazu den Anstoß liefern.

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