EVN und Universität Wien erforschen Tiefen-Geothermie

Seismische Tomografie und Forschungsbohrung liefern neue Einblicke

02. April 2026

Die Nutzung von Tiefen-Geothermie – also heißem Thermalwasser aus mehreren Kilometern Tiefe – gilt als vielversprechende erneuerbare Energiequelle für Niederösterreich. Um das geothermische Potenzial der Region präzise zu bestimmen, setzen die EVN und die Universität Wien auf eine Kombination aus innovativer seismischer Messung und geologischen Bohrungen.

Passive seismische Tomografie: „Wir lauschen dem Puls der Erde“
Über mehrere Wochen wurden rund 240 seismische Sensoren im südlichen Wiener Becken vergraben, verteilt über eine Fläche von etwa 220 Quadratkilometern – von Achau bis Schwechat. Diese sogenannten Geophone messen das natürliche seismische Grundrauschen der Erde, das durch Gewitter, Meeresbrandung oder menschliche Aktivitäten entsteht.

Durch die Analyse dieses kontinuierlichen „Erdrauschens“ lassen sich Rückschlüsse auf die Struktur der Gesteinsschichten in mehreren Kilometern Tiefe ziehen. Unterschiedliche Gesteine verändern die Ausbreitung der seismischen Wellen – so entsteht ein erstes geophysikalisches Modell des Untergrunds.

„Mit dieser Methode können wir erstmals großflächig und völlig schonend Hinweise darauf gewinnen, wo sich tiefgelegene, wasserführende Gesteinsschichten befinden könnten“, erklärt Gregor Götzl, Geothermieprojektleiter der EVN.

Die Daten bilden eine wichtige Grundlage für die Standortsuche künftiger Tiefen-Geothermieanlagen.

Forschungsbohrung am Sooßer Lindkogel: Ein Blick in tiefes Gestein – direkt an der Oberfläche
Parallel zur seismischen Untersuchung wurde am Sooßer Lindkogel in Bad Vöslau eine Forschungsbohrung durchgeführt. Diese erreicht rund 70 Meter Tiefe und erschließt den Wettersteindolomit – ein Gestein, das im Wiener Becken normalerweise mehrere Kilometer unter der Erdoberfläche liegt, hier aber an die Oberfläche tritt.

Die Bohrkerne erlauben detaillierte Analysen der geologischen Eigenschaften, insbesondere der Durchlässigkeit für Thermalwasser – ein entscheidender Faktor für die geothermische Nutzung.
In den Labors der Universität Wien werden die Proben zusätzlich unter realistischen Druckverhältnissen getestet, wie sie sonst nur in großer Tiefe herrschen.

„Die Untersuchungen liefern wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sich das Gestein unter realen Bedingungen verhält“, betont Kurt Decker von der Universität Wien.
Ziel: Zwei Tiefen-Geothermieanlagen bis 2035

Die Aktivitäten sind Teil des Forschungsprogramms „GeoWärme Niederösterreich“, mit dem die EVN das geothermische Potenzial der Region erschließen möchte.
„Mit den aktuellen Untersuchungen schaffen wir eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Unser Ziel ist es, bis 2035 zwei Tiefen-Geothermieanlagen an unsere Naturwärmenetze anzuschließen“, sagt Gerhard Sacher, Geschäftsführer der EVN Wärme.

Gemeinsam liefern seismische Daten und Bohrkerne ein umfassendes Bild des Untergrunds – und bringen Niederösterreich der umweltfreundlichen Wärmeversorgung der Zukunft einen wichtigen Schritt näher.

GeoWärme Niederösterreich
Das Forschungsprogramm „GeoWärme Niederösterreich“ bündelt die Untersuchungsaktivitäten der EVN im Bereich Tiefen-Geothermie. Ziel ist es, das Potenzial dieser klimafreundlichen Energieform zu erschließen und langfristig einen Beitrag zur nachhaltigen Wärmeversorgung zu leisten. Mit den Untersuchungen sollen geeignete Standorte für die Tiefen-Geothermieanlagen gefunden werden.

 

Titouan Muzellec und Lina Rummler von der Universität Wien sowie EVN Geothermie-Programmleiter Gregor Götzl bei der Installation der Geophone. (v.l.n.r.)

Die Geophone zeichnen über mehrere Wochen das natürliche Rauschen der Erde auf.

Die Geophone werden mit Kompass und GPS ausgerichtet und eingegraben.

Die Forschungsbohrung am Sooßer Lindkogel geht rund 70 m in die Tiefe.

Die gewonnenen Bohrkerne geben Auskunft über die Gesteinsschichten in mehreren Kilometern Tiefe.

EVN Projektleiter Richard Scholey, Kurt Decker von der Universität Wien und EVN Wärme Geschäftsführer Gerhard Sacher. (v.l.n.r.)

© EVN / Matejschek

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Mag. Stefan Zach, MAS

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Leiter Information und Kommunikation, EVN Konzern

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Kerstin Kroyer

Kerstin Kroyer

Information und Kommunikation, EVN Konzern

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