Um die Prognosesicherheit bei geplanten Bohrungen zu erhöhen, sind umfangreiche Voruntersuchungen erforderlich.
Eine neue innovative Methode ist die passive seismische Tomografie. Dieses geophysikalische Messverfahren nutzt das natürliche seismologische Rauschen der Erde. Dabei wird praktisch "der Puls der Erde" abgehört – ohne bohren, graben oder sprengen zu müssen.
Woher kommt dieses Rauschen? Das sind Schallwellen die im Atlantischen Ozean Atlantikwellen an den Seeboden und an die Küste branden, Gewitterereignisse oder menschliche Störsignale wie Autobahnen oder Bahntrassen. Diese akustischen Quellen produzieren seismische Oberflächenwellen – das sind Schallwellen, die ähnlich zu Wasserwellen durch die Erdkruste über weite Distanzen wandern. Solche natürlichen Schallwellen nutzen wir bei der passiven Seismik zur Erkundung des Untergrundes.
Wie läuft eine Messkampagne ab?
Die erste Messkampagne wurde 2024 in einem 200 km² großen Gebiet im Wiener Becken zwischen Tattendorf und Wiener Neustadt durchgeführt. Die zweite Messkampagne erfolgte im Frühjahr 2026 zwischen Achau und Schwechat.
Gemeinsam mit der Universität Wien wurden dabei jeweils rund 200 Mikroseismometer aufgestellt, die wie Erdbebenbeobachtungsstationen arbeiten. Die Messstationen wurden auf den Boden gestellt bzw. wenige Zentimeter eingegraben. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen wurde das natürliche Rauschen der Erde passiv aufgezeichnet. Durch den Vergleich der einzelnen Messergebnisse lassen sich nun Rückschlüsse auf die Zusammensetzung der oberen Erdkruste bis in Tiefen von mehreren Kilometern unter der Erdoberfläche ziehen. Und damit auch auf das geothermische Potenzial.