Als Tiefen-Geothermie bezeichnet man die Nutzung der Erdwärme in Tiefen zwischen 300 und 5.000 Metern. Je tiefer es geht, desto wärmer wird es – pro 100 Meter um circa 3 °C.
Zur Wärmegewinnung durch Tiefen-Geothermie sind Bohrungen erforderlich. Eine Hauptanwendung ist die sogenannte "hydrothermale Doublette". Dabei werden zwei Bohrungen vorgenommen: eine Förderbohrung und eine Injektionsbohrung. Die Förderbohrung transportiert heißes Wasser zur Energiegewinnung an die Oberfläche. Nach der Wärmeübertragung wird das Wasser über die Injektionsbohrung wieder in die Erde zurück gepumpt. Das Wasser bleibt so immer in einem geschlossenen Kreislauf.
Wo wollen wir Tiefen-Geothermie einsetzen?
Niederösterreich hat von allen österreichischen Bundesländern das größte Geothermie-Potential. Besonders im südlichen Wiener Becken von Schwechat bis Wiener Neustadt sind die geologischen Strukturen sehr vielversprechend. Aber nicht nur der Untergrund ist ein entscheidender Faktor. Tiefen-Geothermie ist nur dort wirtschaftlich einsetzbar, wo es eine große Anzahl von Wärmenutzerinnen und ein gut ausgebautes Fernwärmenetz gibt. Im südlichen Wiener Becken betreiben wir das Naturwärmenetz Thermenregion – das größte, auf Biomasse basierende Fernwärmenetz Österreichs. Auf dieses Gebiet setzen wir daher unseren Fokus.
Tiefen-Geothermie für die Naturwärmeversorgung der EVN
Die Tiefen-Geothermie ist ein wichtiger Pfeiler für den weiteren Ausbau des Naturwärmenetzes Thermenregion – schon jetzt das größte überregionale Naturwärmenetz Österreichs. Dort wollen wir den Erneuerbaren-Anteil bis 2035 von derzeit 80 % auf über 90 % anheben. Dafür brauchen wir neben 100 GWh zusätzlich aus Biomasse auch rund 200 GWh aus der Geothermie. Deshalb planen wir mindestens zwei Geothermiestandorte im Industrieviertel. Die Tiefen-Geothermie deckt dabei die sogenannte "Grundlast". Biomasse steht darüber hinaus als flexible Lastendeckung zur Verfügung, um den Anteil fossilen Erdgases in der Erzeugung noch weiter zu reduzieren. Das bislang identifizierte geothermische Potenzial entspricht dem 3-fachen Wärmebedarf des Industrieviertels. Wir wissen also bereits jetzt, dass mehr geothermische Energie verfügbar ist, als wir derzeit benötigen.